Am 25. Juli 1978 wurde der erste mittels IVF gezeugte Mensch geboren. Louise Joy Brown erblickte in Oldham, England, das Licht der Welt, und machte damit nicht nur ihre Eltern, sondern auch die an der assistierten Befruchtung beteiligten Mediziner:innen glücklich. Ihre Geburt war eine weltweite Sensation und ein mediales Ereignis. Heute wird in Deutschland anlässlich dieses Jubiläums der Tag des Wunschkindes gefeiert – natürlich auch vom UIK.
Die Geschichte der IVF-Pionier:innen Lesley und John, Patrick, Robert und Jean
Bereits seit vielen Jahren hatten Lesley und John Brown erfolglos versucht, eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg herbeizuführen, als sie sich im Herbst 1977 an das britische Forschungsteam um Patrick Steptoe, Robert Edwards und Jean Purdy wandten. Diesen war zwar bereits etliche Male die Befruchtung der menschlichen Eizelle außerhalb des Uterus gelungen, nie zuvor war es dadurch jedoch zu einer Lebendgeburt gekommen. Mit diesem Patient:innenpaar sollte sich das ändern. Lesley wurde schwanger, blieb es und brachte am 25. Juli des darauffolgenden Jahres ihre Tochter Louise Joy zur Welt. Die Art der Zeugung, die sogenannte In-vitro-Fertilisation, sorgte weltweit für hitzige Diskussionen. Die Geburt wurde zum Medienereignis. Seitdem ist die IVF eines der Standardverfahren der Reproduktionsmedizin. Allein in Deutschland wurden laut IVF-Register zwischen 1997 und 2023 412.230 Kinder nach einer IVF geboren.
Forschung, Medizin und Betroffene beim Tag des Wunschkindes 2025 in Leipzig
In Deutschland wird anlässlich dieses besonderen Jubiläums jedes Jahr am 25. Juli der Tag des Wunschkindes gefeiert. Die Initiative dazu ging vom Wunschkind e. V. aus, der ersten deutschen Selbsthilfeorganisation für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. In vielen Städten finden an diesem Tag Veranstaltungen statt, bei denen Forschende, Mediziner:innen und Patient:innen ins Gespräch kommen. So auch in Leipzig.
Am 25. Juli 2025 lud das LE-REP, eines der fünf intersidziplinären Nachwuchszentren für reproduktive Gesundheit in Deutschland, zu einem Nachmittag für Austausch, Information und neue Perspektiven rund um den Kinderwunsch ein. Wir vom UIK e. V. waren auch dabei und durften sowohl mit einem Stand als auch mit einem Vortrag über die Vorzüge der Selbsthilfe, unsere Vereinsziele sowie die Betroffenenperspektive informieren.

Auf dem Programm standen weitere spannende Vorträge. So wurde über die juristischen Regelungen rund um Kinderwunschbehandlungen informiert, also etwa zu den rechtlichen Fragen bei einer Samenspende oder bei verschiedenen Familien- und Lebenskonstellationen. Sehr interessant war auch ein Vortrag zu den Einflüssen von Umweltgiften auf die männliche Fruchtbarkeit, die derzeit am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung untersucht werden.
Pausengespräche und Stimmen vom Tag des Wunschkindes
Neben dem abwechslungsreichen Programm gab es auch Zeit für Austausch mit Besucher:innen. So konnten wir ins Gespräch kommen mit Vertreter:innen verschiedener Beratungsstellen, die eine weitere wichtige Stütze für uns ungewollt Kinderlose und Patient:innen der Reproduktionsmedizin darstellen. Mit Angestellten von Kinderwunschkliniken sprachen wir offen über sensible Themen wie Babyfotos in Aufwachräumen oder Glückwunschpakete für Schwangere in Sichtweite zum Wartezimmer. Wir wissen, dass solche Gesten gut gemeint sind, wiesen jedoch darauf hin, dass sie aus Sicht der Patient:innen auch schmerzhaft und deplatziert wirken können.
Besonders berührend waren Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen, die sich uns anvertrauten. Neben den Herausforderungen der Kinderwunschbehandlung und den komplizierten Emotionen wurden immer wieder auch die Scham und Angst vor Stigmatisierungen thematisiert. Wir nehmen das als wichtiges Signal für unsere Arbeit mit, schließlich möchten wir Betroffene bundesweit vertreten und ihren Anliegen Gehör verschaffen. Nicht alle können und wollen über so ein intimes Thema sprechen. Und das ist auch in Ordnung. Umso wichtiger ist es, dass es geschützte Räume in Form von Selbsthilfegruppen gibt, in denen Zugehörigkeit und Verständnis auf verschiedenen Ebenen erlebt werden kann.
Am Tag des Wunschkindes konnten wir auch darauf aufmerksam machen, dass nicht alle Kinderwunschbehandlungen erfolgreich sind. Nicht alle Patient:innen werden schwanger und nicht jede Schwangerschaft bleibt bestehen. Auch diese Geschichten verdienen Anerkennung, Gehör und vor allem auch Unterstützung.

Kinderwunsch, Wunschkinder, Wünsche der Patient:innen
Wir sind dankbar über die fachlichen Impulse und den Austausch vor Ort in Leipzig. Besonders danken wir dem LE-REP für die Einladung und die Möglichkeit, unsere Arbeit als unabhängige, gemeinnützige Selbsthilfeorganisation vorzustellen. Aktuell forscht das LE-REP zu den Auswirkungen von Kinderwunschbehandlungen auf Schwangerschaften sowie den Langzeitfolgen für Eltern und Kinder. Dabei werden medizinische, psychosoziale und umweltbezogene Faktoren berücksichtigt, um ein ganzheitliches Verständnis zu entwickeln und die Versorgung Betroffener zu verbessern.
Wir wünschen uns, dass der interdisziplinäre Austausch zwischen Forschung, Medizin und Patient:innen auch über den Tag des Wunschkindes hinaus gefördert wird. Wichtig ist uns zudem, dass Betroffene frühzeitig in Forschungsprozesse, in die Entwicklung bedarfsgerechter Versorgungskonzepte sowie in gesetzliche und ethische Debatten einbezogen werden. Denn je besser unsere Perspektive verstanden wird, desto wirkungsvoller können Angebote gestaltet werden, die Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch wirklich helfen. Auch die Perspektiven der Wunschkinder – viele von ihnen sind längst erwachsen – sollten dabei berücksichtigt werden. So schaffen wir gemeinsam Raum für eine vielfältige und offene Auseinandersetzung mit den Erfahrungen und Bedürfnissen aller, die von Kinderwunschbehandlungen betroffen sind.
Als gemeinnütziger, unabhängiger Verein freuen wir uns über jedes Engagement. Mach mit, bring deine Erfahrungen ein und unterstütze uns dabei, Betroffenen eine Stimme zu geben. Am Tag des Wunschkindes und an jedem anderen Tag.
Herzlich
Dein UIK e. V. 💜💚🤍

