Steffi und Tina mit unserem Stand

Die lange Nacht der Wissenschaften an der Uniklinik Halle – UIK war auch dabei

Bereits zum zweiten Mal folgten wir der Einladung der Universitätsklinik in Halle (Saale) zu ihrer Langen Nacht der Wissenschaften am 04.07.2025. Nicht nur in der Uniklinik, sondern in der gesamten Stadt wurde erneut ein vielfältiges Programm mit Einblicken in wissenschaftliche Fachgebiete, Experimenten und Vorträgen geboten. In der Uniklinik Halle wurde dabei natürlich das Hauptaugenmerk auf Themen der Medizin und Biologie gelegt, so auch auf die für viele eher unvertraute Reproduktionsmedizin. Und wo es um künstliche Befruchtung, Samenspenden, ICSI und IVF geht, dürfen wir natürlich nicht fehlen!

Von Bienchen und Blümchen – Menschliche Reproduktion unterm Mikroskop

Unter diesem Motto hatte die reproduktionsmedizinische Abteilung der Klinik einen Raum gestaltet, in welchem wir einen eigenen Stand betreuen durften. Bei uns erfahrenen IUI-, IVF- und ICSI-Kämpfer*innen mag so ein Wortspiel maximal ein müdes Lächeln hervorrufen, aber wir waren ja auch nicht die Hauptzielgruppe der Veranstaltung. Denn bei der Langen Nacht der Wissenschaften geht es vor allem darum, Interessierte und Wissbegierige jeden Alters für Themen zu begeistern, mit denen sie zuvor vielleicht noch nie in Berührung gekommen sind.

Die Patient*innensicht als Teil der Reproduktionsmedizin und in der öffentlichen Wahrnehmung

Das durchmischte Publikum und die Möglichkeit, sich mit interessierten Außenstehenden zu unterhalten, machte diese Veranstaltung besonders spannend für uns. So konnten wir einige der Ziele angehen, die wir uns für das Unterstützungsnetzwerk gesetzt haben: Aufklärung, Information und Präsenz in der breiten Öffentlichkeit zu ungewollter Kinderlosigkeit und der Patient*innenperspektive schaffen.

Wir stießen auf großes Interesse, hier und da natürlich aber auch auf altbekannte Narrative. So führten wir Gespräche mit Menschen jenseits ihres fruchtbaren Fensters, die über die vermeintlich „karrierebessene jüngere Verwandtschaft“ sprachen. Hier konnten wir weitere Perspektiven aufzeigen: Vielleicht wurde die Karriere als ein gesellschaftlich anerkanntes Schutzschild vorgeschoben, um die jahrelange erfolglose Behandlung und Verluste zu verbergen? Oder könnte es eine bewusste Entscheidung gegen Kinder sein, die ebenso berechtigt wäre? Wir ermutigten, dem Gegenüber mit Geduld und Offenheit zu begegnen.

Besonders gefreut hat uns der Besuch von Lehrer*innen an unserem Stand, die den verstaubten Sexualkundeunterricht mit Fakten zu ungewollter Kinderlosigkeit und Reproduktionsmedizin ins 21. Jahrhundert holen wollen. Schon überlegen wir, wie man das Facts! Game von Fertility Europe in deutsche Klassenzimmer bringt – schließlich liegt es auch in deutscher Sprache vor. (Bei Interesse an dem Lernspiel schreibt uns gerne eine Mail oder direkt ins Kontaktformular.) Aus der Reserve gelockt haben uns Kinder im Grundschulalter, die wissen wollten, was wir denn so machen und warum es uns gibt. Nach kurzer, geschickt überspielter Sprachlosigkeit fanden wir eine Erklärung in einfacher, kindgerechter Sprache und freuten uns, dass sie Anklang fand – unser Sendung-mit-der-Maus-Moment.

Stand des UIK e. V.
Stand des UIK e. V.

Mythen, Fakten, Erlenmeyerkolben und ein Blick durchs Mikroskop

Um mit den Besucher*innen ins Gespräch zu kommen, hatten wir einen Faktencheck vorbereitet mit den gängigen Mythen, die alle, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben, nur allzu gut kennen. Darunter Highlights wie „Vielleicht soll es einfach nicht sein“, „Adoptiert doch einfach“ oder „Trinkt doch mal einen über den Durst, dann klappt das schon“. (Fallen euch noch mehr gut gemeinte Ratschläge ein, schreibt sie gerne in die Kommentare.) Auf der Rückseite der vorbereiteten Karten standen die entsprechenden Richtigstellungen dazu, z. B. zur besonderen Schädlichkeit von Alkohol während der Kinderwunschzeit oder zur Schwierigkeit des Adoptionsprozess. Zusätzlich stellten wir Materialien wie den European Atlas of Fertility Treatment Policies sowie ausgewählte Bücher zum Thema vor und konnten unsere Visitenkarten verteilen.

Wie bereits im vergangenen Jahr hatte die Abteilung für Reproduktionsmedizin ein Quiz zu wissenschaftlichen Fakten der allgemeinen Fruchtbarkeit vorbereitet und lud die Besucher:innen ein, ihr Wissen zu testen. Als Besuchermagnet stellte sich das Rätsel zu den medizinischen Instrumenten heraus, bestehend aus 12 Geräten und Hilfsmitteln. Ob wohl der größte Erlenmeyerkolben des Klinikums oder doch eher die haarfeine Glaskanüle im reproduktionsmedizinischen Labor genutzt wird?

Schließlich durften Interessierte in die Rolle des/des Laborant*in schlüpfen und eine besondere Substanz unter dem Mikroskop betrachten: männliche Keimzellen – genauer Spermien. Die Bewegungen der kleinen Schwimmer in Nahaufnahme zu sehen, sorgte bei vielen für Staunen und eröffnete einmal mehr Gelegenheit, über Fruchtbarkeit und deren Relevanz ins Gespräch zu kommen.

Spermien unter dem Mikroskop
Spermien unter dem Mikroskop

Unser Anliegen: die Patient*innen der Reproduktionsmedizin unterstützen

Dieser Abend war für uns eine sehr wertvolle Gelegenheit, mit vielen verschiedenen Menschen zu sprechen. Neben interessierten Außenstehenden haben sich auch viele Leidensgenoss:innen zu erkennen gegeben, bei denen vor allem unserer Faktencheck schmerzliche Erinnerungen wachrief. Hier wurde erneut deutlich, dass neben der Awareness im sozialen Umfeld auch die psychosoziale Unterstützung ausgebaut werden muss. So lange diese Lücke klafft, braucht es andere Möglichkeiten der Entlastung und des Austauschs. Dafür arbeiten wir an einem deutschlandweiten Selbsthilfenetzwerk.

Begleite uns gerne weiterhin auf unserem Weg!

Dein UIK

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