Beate und Kristin

ESHRE 2026 in London: UIK vor Ort

Vom 5. bis 8. Juli 2026 fand die diesjährige Jahrestagung von ESHRE (European Society of Human Reproduction and Embryology) in London statt, einer der weltweit größten wissenschaftlichen Kongresse im Bereich der Reproduktionsmedizin mit mehr als 10.000 Teilnehmenden. Wir freuen uns sehr, dass wir auch dieses mal als UIK mit vor Ort waren – in diesem Jahr sogar gleich mit doppelter Womanpower. Bei der Jahreshauptversammlung von Fertility Europe trafen wir auf zahlreiche ungewollt Kinderlose und Patient:innen der Reproduktionsmedizin aus ganz Europa. Und auch bei der alljährlichen Patient Session war wieder ein Gesicht aus unseren Reihen zu sehen. Wir freuen uns, dass Kristin in einem Vortrag ihre persönliche Geschichte teilte und Fachleute für die herausfordernde Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und reproduktionsmedizinischen Behandlungen sensibilisierte.

Jahreshauptversammlung von Fertility Europe

Wie in jedem Jahr tagte Fertility Europe im Rahmen des ESHRE Kongresses in großer Runde. Während die Pharmaindustrie sich in großen Hallen tummelte, Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen sich über die neueste Forschung und Technologie austauschte, kamen auch die Patient:innenvertreter:innen aus zahlreichen europäischen Ländern zusammen, um die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres zu besprechen und Beschlüsse für das kommende Jahr zu fassen. Im vergangen Jahr waren wir als UIK in diesem Treffen offiziell als Canditate Member in die Reihen von Fertility Europe aufgenommen worden. In diesem Jahr wuchs das internationale Netzwerk um eine weitere deutsche Stimme: Nachdem es jahrelang eine Leerstelle gegeben hatte, finden sich nun zusammen mit dem FE-Netz, dem Verein für Familien nach Eizellspende, bereits zwei deutsche Vereine in den Reihen von Fertility Europe. Wir freuen uns über die starke Allianz!

Fertility Europe

„Fertility@Work: navigating infertility in the workplace” – sehr persönliche Einblicke bei ESHRE 2026

Passend zum diesjährigen Schwerpunktthema von Fertility Europe stand die Patient Session ganz unter dem Motto Fertility@work. Drei mutige Frauen zeigten anhand ihrer Geschichten, wie sich ihre Kinderwunschbehandlungen auf den Arbeitsalltag ausgewirkt haben und wie unzureichende strukturelle Rahmenbedingungen und fehlende Schutzmechanismen im Arbeitskontext eine enorme Zusatzbelastung darstellten. Neben je einem Beitrag aus Finnland und Dänemark teilte auch unser engagiertes Vereinsmitglied Kristin ihre sehr persönlichen Erfahrungen.

Unter dem Titel Hitting the limits: when fertility treatment and work collide sprach Kristin offen darüber, wie sie in ihrem Betrieb den Umgang mit ihrer Kinderwunschbehandlung erlebte. Drei Kernprobleme stachen dabei besonders heraus: die Tabuisierung des Themas im Arbeitskontext, mangelndes Bewusstsein über die spezifischen Herausforderungen, die eine Kinderwunschbehandlung mit sich bringt, sowie die Lücke zwischen betrieblichen Regelungen und gelebter Realität. Denn was oft übersehen wird: Reproduktionsmedizische Behandlungen stehen selten für sich, sondern sind im Kontext jahrelang andauernder, herausfordernder und zutiefst belastender Lebenssituationen zu betrachten. Selbst wenn Betriebe bestimmte Regelungen in Kraft setzen, reichen diese oft zu kurz oder werden noch nicht wirksam umgesetzt. Als besondere Herausforderungen beschrieb Kristin außerdem die Vereinbarkeit von Behandlungsterminen und Arbeitsterminen – insbesondere bei Behandlungen im Ausland – sowie fehlende Möglichkeiten, Arbeitszeiten und Arbeitsbelastungen anzupassen und zu flexibilisieren.

Kristin

Wenn die Stimme der Betroffenen Gehör findet

Erfahrungsberichte wie der von Kristin leisten einen wichtigen Beitrag zum fachlichen Diskurs über reproduktive Gesundheit. Sie eröffnen Perspektiven, die wissenschaftliche Daten allein nicht vermitteln können, und verdeutlichen, welche Auswirkungen Diagnosen, Behandlungen und Entscheidungen auf das Leben der Betroffenen haben. So wird deutlich, dass Fortschritte in der Reproduktionsmedizin nicht allein an Forschungsergebnissen oder Behandlungsmethoden gemessen werden, sondern auch daran, wie gut sie die Lebensrealität der Menschen berücksichtigen, die sie begleiten sollen.

Dass es wirkliches und ehrliches Interesse an diesen Geschichten gibt, zeigt ein Artikel, der in vergangenen Woche in der Fachzeitschrift The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women’s Health erschienen ist. In Nachgang der letztjährigen Patient Session beim ESHRE Kongress in Paris, bei dem Vorstandsmitglied Beate gesprochen hatte, ergab sich die Möglichkeit, den Kongressbeitrag als Essay zu verfassen. Neben Fachartikeln, wie dem zum Nutzen von Add-Ons, über den wir berichteten, findet sich in der aktuellen Ausgabe des Journals nun also auch die Stimme der Betroffenen wider. Unter dem Titel Too young to worry? Questioning assumptions in reproductive medicine berichtet Beate von ihren sehr persönlichen Erfahrungen als ehemalige Patientin der Reproduktionsmedizin.

Wir freuen uns, über dieses Zeichen der Wertschätzung unserer Perspektive und hoffen, dass immer mehr Fachleute erkennen, wie wertvoll der direkte Austausch für alle Beteiligten sein kann.

Herzlich

Dein UIK e. V. 💜💚🤍

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