Das Deutsche IVF-Register sammelt seit 1997 systematisch die Daten aus deutschen Kinderwunschkliniken und stellt die Auswertung der Ergebnisse jährlich der Öffentlichkeit zur Verfügung. Am 29.11.2025 ist das neue Jahrbuch erschienen. Wir geben einen Überblick und zeigen, was Patient:innen daraus für sich mitnehmen können.
Warum das IVF-Register Jahrbuch für Patient:innen wichtig ist
Für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch ist es wichtig zu wissen, wie erfolgreich eine reproduktionsmedizinische Behandlung ist und welche Risiken es gibt. Das IVF-Register liefert verlässliche Zahlen, die Patient:innen helfen, informierte Entscheidungen zu treffen und ihre Behandlung aktiv mitzugestalten. Für den aktuellen Bericht wurden die Daten aus 139 von 142 Mitgliedszentren des Deutschen IVF-Registers bereitgestellt und ausgewertet. Die Ergebnisse sind nicht nur für Patient:innen wichtig, sondern auch für die Forschung und die Verbesserung der Reproduktionsmedizin.
Die wichtigsten Ergebnisse aus dem IVF-Register Jahrbuch 2024
Das Jahrbuch gibt es als ausführliches Großes Jahrbuch und als schmalere Sonderausgabe für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, Patientinnen, Patienten, die Öffentlichkeit. Beide können direkt auf der Webseite des Deutschen IVF-Registers heruntergeladen werden.
Hier haben wir einige der interessantesten Informationen für Patient:innen zusammengestellt:
1. Kinderwunschbehandlungen sind heute weit verbreitet
Insgesamt 134.281 Behandlungszyklen wurden im Jahr 2024 im IVF-Register dokumentiert. Das sind etwas mehr als im vorherigen Jahr 2023 (131.000). Seit 1997 wurden bereits über 2,6 Millionen Behandlungen erfasst und 433.858 Kinder in Deutschland nach einer Kinderwunschbehandlung geboren.
2. Erfolgschancen: Wie häufig Kinderwunschbehandlungen zur Geburt führen
Die Geburtenrate pro Embryonentransfer liegt weiterhin bei rund 22 Prozent. Das bedeutet: Viele Patient:innen brauchen mehrere Anläufe, einige bleiben trotz Behandlung kinderlos. Wichtig zu wissen: Die sogenannte kumulative Geburtenrate zeigt, dass die Chancen mit jedem weiteren Transfer steigen. Das ist besonders ermutigend für diejenigen, die nach der Stimulation Embryonen einfrieren lassen können. Einen großen Einfluss hat laut IVF-Register das Alter der Frau: Mit Anfang 30 sind die Erfolgschancen einer Behandlung deutlich höher als mit Anfang 40.
3. Frisch- und Kryozyklus sind ähnlich erfolgreich
Bei einer Kinderwunschbehandlung werden oft mehr Eizellen befruchtet, als sofort eingesetzt werden können. Die übrigen Embryonen werden eingefroren und können später verwendet werden (Kryozyklus). 2024 starteten 62,5 Prozent der Behandlungen als Frischzyklus und 37,5 Prozent als Kryozyklus. Laut IVF-Register führt die Übertragung frischer und aufgetauter Embryonen fast gleich häufig zu einer Geburt. Wichtig: Das Einfrieren und spätere Auftauen und Einsetzen der Embryonen wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.
4. Weniger Mehrlingsgeburten dank Single-Embryo-Transfer
2023 waren 90,7 Prozent der Geburten nach Kinderwunschbehandlungen Einlingsgeburten. Das ist eine gute Nachricht, denn Mehrlingsschwangerschaften gehen oft mit hohen Risiken für Frühgeburten und Komplikationen einher. Der wichtigste Grund für den Rückgang der Mehrlingsgeburten ist laut IVF-Register der sogenannte Single-Embryo-Transfer, also das Einsetzen von genau einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter.
5. Mehr Behandlungen mit Spendersamen
In vielen Fällen läge die Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit laut IVF-Register beim Mann, oft wegen eingeschränkter Spermaqualität. Auch Single-Frauen und lesbische Paare nehmen Behandlungen mit Spendersamen in Anspruch. Die Behandlungen mit Spendersamen steigen so seit Jahren deutlich an. Seit 2018 haben sie sich fast verdreifacht. Wichtig: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Behandlungen in der Regel nicht.
6. Kinderwunschbehandlungen sind insgesamt sehr sicher
Die Daten des IVF-Registers zeigen, dass reproduktionsmedizinische Behandlungen in Deutschland ein hohes Sicherheitsniveau haben: Das Risiko einer Überstimulation beträgt 0,2 Prozent. Komplikationen nach der Eizellentnahme tauchen bei 0,6 Prozent der Behandlungen auf.
Fazit: Was Patient:innen aus dem Jahrbuch 2024 mitnehmen können
Das neue Jahrbuch des IVF-Registers liefert wichtige Informationen zu Kinderwunschbehandlungen in Deutschland. Es zeigt, dass die Zahl der Behandlungen steigt, die Verfahren insgesamt sicher sind und welche Erfolgschancen bestehen. Auf dieser Grundlage können Patient:innen selbstbestimmte Entscheidungen treffen und Behandlungsabläufe besser verstehen.
Wichtig aus unserer Sicht ist auch: Jede Patient:innengeschichte ist anders. Die Daten aus dem Jahrbuch geben Orientierung. Dennoch müssen die persönliche Situation, Belastungen und Entscheidungen individuell betrachtet werden. Bei einer medizinischen Behandlung stehen die Überwachung, Steuerung und Messung körperlicher und biologischer Prozesse im Vordergrund. Die psychologische und emotionale Unterstützung ist jedoch ebenso wichtig. Sie kann helfen, die Zeit vor, während und nach der Behandlung besser zu bewältigen.
Herzlich
Euer UIK e.V. 💜💚🤍
PS: Das Deutsche IVF-Register Jahrbuch 2024 in der Sonderausgabe für Patient:innen findet ihr hier.
Die offizielle Pressemitteilung des IVF-Registers zum neuen Jahrbuch steht hier.

