Kommentar zur aktuellen Debatte um eine mögliche Legalisierung der Eizellspende in Deutschland

Im folgenden Schreiben legen wir, das Unterstützungsnetzwerk Infertilität und Kinderwunsch (UIK) e.V., unsere Perspektive zur aktuellen Debatte um eine mögliche Legalisierung der Eizellspende in Deutschland dar. Das gleich lautende Dokument am Ende dieses Beitrags wurde an zuständige Ministerien sowie politische Entscheidungsträger:innen übermittelt.

Unfruchtbarkeit ist eine anerkannte Erkrankung, die erhebliche psychische, körperliche und sozioökonomische Folgen haben kann. Für viele Betroffene ist eine Eizellspende die einzige Möglichkeit, mithilfe reproduktionsmedizinischer Methoden eine Familie zu gründen. Wir, das Unterstützungsnetzwerk Infertilität und Kinderwunsch (UIK) e.V., begrüßen daher den Vorstoß der Frauen Union zur Einführung und Ausgestaltung der Eizellspende und den Beschluss auf dem 38. CDU-Parteitag, sich dem Antrag innerhalb der Bundesfraktion anzunehmen. Wir schließen uns dieser Kernforderung an und fordern die Bundesregierung auf, die Eizellspende in Deutschland zu legalisieren.

Gleichzeitig plädieren wir dafür, die Rahmenbedingungen der Legalisierung weiter zu fassen, als von der Frauen Union vorgeschlagen, und sich stattdessen stärker an den Empfehlungen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin (2024) zu orientieren. Eine zu eng gefasste rechtliche Ausgestaltung der Eizellspende, die insbesondere fremdnützige Spenden ausschließt, verfehlt unseres Erachtens das Ziel einer verantwortungsvollen Fortpflanzungsmedizin, die Chancen zur Familienbildung eröffnet, ohne gesundheitliche Risiken, Missbrauch oder kommerziellen Handel zu fördern.

Wir unterstützen daher ausdrücklich die Empfehlungen der Kommission, die unter anderem die Möglichkeit einer regulierten, altruistischen Eizellspende vorsehen, und möchten im vorliegenden Anschreiben unsere Gründe dafür darlegen. 

Das bestehende Verbot ist nicht mehr zeitgemäß

Das Verbot der Eizellspende durch das Embryonenschutzgesetz von 1990 beruht auf medizinischen und ethischen Annahmen, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft widersprechen. Die lange vorherrschende These einer „gespaltenen Mutterschaft“ ist klar widerlegt und nicht länger haltbar (vgl. Golombok et al.). Zudem haben moderne medizinische Standards die Risiken für Spenderinnen in den letzten Jahrzehnten deutlich reduziert (vgl. Levi-Setti et al.). Auch in puncto Gleichstellung wirft die geltende Rechtslage Fragen auf: Während infertilen Männern durch die legale Verfügbarkeit einer Samenspende die Möglichkeit eröffnet wird, ihren Kinderwunsch zu erfüllen, werden infertile Frauen durch das Verbot der Eizellspende bei der Realisierung ihres Kinderwunsches systematisch benachteiligt (siehe hierzu BMFSFJ, Neunter Familienbericht).

Deutschland ist europäische Ausnahme

In der überwiegenden Mehrheit der europäischen Staaten ist die Eizellspende erlaubt. Ein Atlas der pan-europäischen Patient:innenorganisation Fertility Europe von 2024 zeigt: Die Eizellspende für heterosexuelle Paare ist nur in 7 von 49 europäischen Ländern verboten – darunter Deutschland. Länder wie Dänemark, Großbritannien, die Niederlande oder Finnland zeigen, dass eine regulierte Legalisierung der Eizellspende den Schutz und die Rechte aller Beteiligten erfolgreich gewährleisten kann.

Das Familienministerium hat sich bereits 2021 für eine Legalisierung der Eizellspende ausgesprochen (vgl. BMFSFJ, Neunter Familienbericht) und die Arbeitsgruppe 2 der bereits erwähnten, von der vorherigen Bundesregierung eingesetzten Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin hat umfassende Empfehlungen zur Ausgestaltung der Legalisierung formuliert. Die Weichen sind also gestellt und viele Betroffene in Deutschland wünschen sich nun Taten.

Legalisierung der Eizellspende stärkt reproduktive Rechte

Das bestehende Verbot der Eizellspende schwächt die reproduktiven Rechte vieler Frauen und Paare in Deutschland. Nur durch eine Legalisierung kann ein gleichberechtigter Zugang zu reproduktionsmedizinischen Behandlungen ermöglicht werden. Zu dem Personenkreis, der durch das derzeitige Verbot der Eizellspende benachteiligt ist, gehören sowohl Frauen und Paare mit klarer medizinischer Indikation – etwa bei vorzeitiger Ovarialinsuffizienz, genetischen oder chromosomalen Anomalien oder nach Chemo- bzw. Strahlentherapie ohne vorausgegangene Fertilitätsprotektion – als auch Frauen und Paare mit idiopathischer Infertilität, bei denen trotz umfassender Diagnostik keine eindeutige Ursache der Unfruchtbarkeit festgestellt werden kann. Auch lesbische Paare haben derzeit keinen Zugang zur ROPA-Methode, bei der die Eizelle einer Frau auf die andere übertragen wird.

Die Notwendigkeit, für eine Eizellspende ins Ausland zu reisen, verschärft die ohnehin meist hohe körperliche, psychische und finanzielle Belastung dieser großen Personengruppe. Zudem entsteht ein sozial selektiver Zugang: Reiseaufwand, Organisation, Kosten und Sprachbarrieren überfordern viele Betroffene. Studien zeigen, dass reproduktionsmedizinische Verfahren, wie Eizellspenden, derzeit vor allem von Menschen mit höherem Einkommen und einem höheren Bildungsabschluss in Anspruch genommen werden (vgl. Seiz et al.).

Rechtssicherheit und Schutz aller Beteiligten müssen gewährleistet sein

Eine verantwortungsvoll ausgestaltete Legalisierung der Eizellspende sollte klare rechtliche Rahmenbedingungen zum Schutz aller Beteiligten, also der Spenderinnen, der Kinder und der Eltern, schaffen. Auf Grundlage der Empfehlungen der Kommission könnten transparente medizinische Standards, verbindliche Aufklärung und Beratung, Dokumentations- und Auskunftsregelungen sowie Vorgaben zur Begrenzung der Zahl gezeugter Kinder und zur Absicherung der Spenderinnen festgelegt werden. Der innerhalb der CDU befürwortete Antrag zur Ausgestaltung einer Legalisierung der Eizellspende ist demgegenüber unserer Einschätzung nach zu eng gefasst. Da bei Kinderwunschbehandlungen üblicherweise befruchtete Eizellen kryokonserviert werden, müsste sich der Bedarf primär aus dem Bereich des Social und Medical Freezing speisen. Diese Lösung eignet sich jedoch nur bedingt, da das Durchschnittsalter der Patientinnen laut Deutschem IVF-Register beim Social Freezing bei über 35 Jahren liegt (vgl. DIR-Jahrbuch 2024).

Dies hätte zur Folge, dass Betroffene aus Deutschland weiterhin gezwungen wären, für eine Eizellspende ins Ausland zu reisen und dort gegebenenfalls Bedingungen und Behandlungen zu akzeptieren, die die Rechte der Spenderinnen und Kinder nicht ausreichend schützen. Auf diese Weise würden weiterhin Märkte unterstützt, in denen Spenderinnen aus finanzieller Not heraus spenden.

Familiengründung sollte selbstbestimmt und diskriminierungsfrei erfolgen

Die Legalisierung der Eizellspende ist ein wichtiger Schritt, um einen diskriminierungsfreien Rechtsrahmen zur Familiengründung zu schaffen und reproduktive Vielfalt gesellschaftlich anzuerkennen. Unfruchtbarkeit ist in Deutschland weiterhin ein Tabuthema – obwohl laut WHO eine von sechs Personen im Laufe ihres Lebens von Fertilitässtörungen betroffen ist. Das Verbot der Eizellspende trägt zusätzlich zur Stigmatisierung unfruchtbarer Menschen und durch Eizellspende entstandener Familien bei.

Wenn Betroffene ihre Familie auf eine Weise gründen, die in Deutschland verboten ist, verstärkt dies Scham und psychische Belastung. Dabei raten Fachgesellschaften und psychologische Forschung heute dazu, offen und altersgerecht mit Kindern über ihre Entstehungsgeschichte zu sprechen. In Großbritannien und Dänemark etwa führt der offene Umgang mit der Eizellspende zu größerer gesellschaftlicher Akzeptanz und geringerer Belastung für alle Beteiligten.

Unsere Forderung

Wir, der UIK e. V., schließen uns den Empfehlungen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin (2024) an und fordern die Legalisierung der Eizellspende, inklusive der fremdnützigen Spende, in Deutschland. Eine verantwortungsvolle Ausgestaltung dieser Legalisierung sollte neben dem einschlägigen Expertenkonsens die Perspektive aller Betroffener konsequent berücksichtigen. Ein modernes Fortpflanzungsrecht sollte der gelebten Realität Rechnung tragen, statt Patient:innen in rechtliche Grauzonen und ins Ausland zu drängen. Die Legalisierung der Eizellspende ist ein notwendiger Schritt hin zu mehr reproduktiver Selbstbestimmung und Gerechtigkeit und einem wirksamen Schutz aller Beteiligten.

Unterstützungsnetzwerk Infertilität und Kinderwunsch e.V.
25. Februar 2026

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