Am 15.04. lud die Stadt Leipzig/Referat Wissenspolitik in Kooperation mit dem Leipzig Reproductive Research Center (LE-REP) zum Wissenschaftskino Leipzig ein und wir waren dabei – auf dem Podium vertreten durch Ulla Gerber, unsere 1. Vorsitzende, und im Publikum durch Mitglieder unseres neu gegründeten Vereins. Gezeigt wurde der Film „Alle 28 Tage“ von Ina Borrmann (2014/15), ein Dokumentarfilm, in dem die Regisseurin ungeschönt und intensiv ihren persönlichen Weg durch die Reproduktionsmedizin aufgezeichnet hat.
Die Veranstaltung war verbunden mit der Freude, endlich zeigen zu können, woran wir bisher gearbeitet haben. In Vorbereitung auf unser kleines „Going-live“ haben wir unsere ersten Flyer gedruckt und unsere Website live geschaltet. Nach Arbeiten an Anträgen, Software und Datenschutz ist unser junges Unterstützungsnetzwerk so zum ersten Mal sicht- und greifbar geworden!
Der volle Saal im Zeitgeschichtlichen Forum hat deutlich gezeigt, dass das Thema unerfüllter Kinderwunsch kein Nischenthema ist. Unter den Gästen der Veranstaltung waren Betroffene, Mitglieder der Leipziger Selbsthilfegruppe „Schwanger werden ist so schwer“, medizinisches und beratendes Fachpersonal, Forschende sowie die Öffentlichkeit.
Film meets Publikum: Ein aufschlussreiches Podiumsgespräch mit der Regisseurin
Die Regisseurin selbst war zum Wissenschaftskino eingeladen und kam im Anschluss an die Vorführung mit Ulla Gerber und der Reproduktionsmedizinerin Dr. Julia Bartley ins Gespräch über die Begleiterscheinungen und Auswirkungen reproduktionsmedizinischer Behandlungen. Ines Christoph, Projektkoordinatorin des LE-REP, führte durch die Diskussion, bei der auch Fragen aus dem Publikum beantwortet wurden.
Aus der Podiumsdiskussion nehmen wir einige wichtige Punkte für unsere Vereinsarbeit mit:
- Der unerfüllte Kinderwunsch bzw. ungewollte Kinderlosigkeit findet in der Politik und Gesellschaft zu wenig Fürsprache. Kaum jemand weiß, was hinter den Kliniktüren während der reproduktionsmedizinischen Behandlungen passiert. Die fehlende Sichtbarkeit trägt zur Stigmatisierung Betroffener bei.
- Über einen Ausgang der Behandlungen, bei dem Patient:innen ohne Kind bleiben, wird zu wenig gesprochen. Hier klafft eine Lücke, die viele Betroffene derzeit allein überwinden müssen.
- Zahlen zu den Schwangerschafts- und Geburtsraten der einzelnen Reproduktionskliniken sind sehr intransparent. Das medizinische System muss an dieser Stelle verlässlicher und durchschaubarer werden. Für Patient:innen wäre es hilfreich, wenn die Zentren enger zusammenarbeiten.
- Der Fokus bei dem Thema liegt häufig auf den Frauen. Sie stehen mehr unter Rechtfertigungsdruck gegenüber der Gesellschaft und ihrem privaten und beruflichen Umfeld. Ungewollte Kinderlosigkeit betrifft jedoch alle Geschlechter.
- Mutterschaft ist eine identitässtiftende Kategorie, was für Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, sehr herausfordernd sein kann.
„Was wünschen Sie sich für den gesellschaftlichem Umgang mit unerfülltem Kinderwunsch?“
Alle Podiumsteilnehmerinnen waren sich einig, dass mehr für die Sichtbarkeit und Belange ungewollt Kinderloser in Deutschland getan werden muss. Wie Ulla Gerber an dem Abend betonte, möchten wir dazu auch in den Dialog mit Politik, Medizin und Forschung treten und die Perspektiven Betroffener einbringen. Wir wollen die Selbsthilfe stärken, denn wir alle, die das Unterstützungsnetzwerk aufbauen, haben selbst enorm davon profitiert, uns mit anderen auszutauschen, die ähnliches erleben wie wir. Unser Ziel ist es, dass sich niemand, der von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen ist oder reproduktionsmedizinische Behandlungen durchläuft, damit allein fühlt.
„Alle 28 Tage“ – Eine Herzensempfehlung
„Alle 28 Tage“ ist eine große Empfehlung, sowohl für Betroffene als auch für Außenstehende. Trotz der Schwere des Themas, trotz der Nahaufnahmen großer Nadeln, trotz der absurden Arzt-Patientinnen-Gespräche zwischen gespreizten Beinen hindurch konnte man im Saal des Forums viele befreite Lacher hören. Was da gezeigt wird, ist kein konstruierter und isolierter Einzelfall. Viele von uns haben sich selbst schon mal in diesem „falschen Film“ gesehen. Wir sind viele! Und wir brauchen diese Sichtbarkeit und die Vernetzung, um gemeinsam für uns einstehen zu können.
Mit diesem Gefühl freuen wir uns auf die nächsten Veranstaltungen und vor allem auf euch als Teil unseres Unterstützungsnetzwerks!
Euer UIK e. V. ❤️💜💚

