In ganz Europa gibt es ungewollt Kinderlose und Patient:innen der Reproduktionsmedizin. Schätzungen zufolge betrifft Infertilität mehr als jede sechste Person im reproduktiven Alter. Am 24. und 25. April kamen die Vertreter:innen der nationalen Patient:innenorganisationen in Oslo beim Spring Meeting von Fertility Europe zusammen, um sich auszutauschen und über aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen zu sprechen. Wir vom UIK waren auch dabei und berichten von dem Event.
Spring Meeting Fertility Europe 2026 vereint ungewollt Kinderlose aus ganz Europa
Norwegens Hauptstadt begrüßte uns mit sonnigem Frühlingswetter und frischer Fjordluft. Schon beim Ankommen war die Wiedersehensfreude unter den Teilnehmenden groß. Für uns war unsere Vorsitzende Ulla Gerber vor Ort. Erst im vergangenen Jahr hatte sie den UIK beim Spring Meeting in Brüssel vorgestellt und wenige Monate später wurden wir auf der Generalversammlung von Fertility Europe einstimmig als Mitglied aufgenommen.
Gastgeber des Treffens war in diesem Jahr die norwegische Organisation Onskebarn, die sich seit über 40 Jahren für Betroffene engagiert. Nach einem kurzen Grußwort durch Fertility Europe eröffnete sie das Treffen. Danach bewarben sich mit Fertility Action aus Großbritannien und Riksförbundet Ofrivillig barnlöshet aus Schweden zwei weitere Organisationen um eine Mitgliedschaft.
Schwerpunkt: Fertility@work
Einen Schwerpunkt des Programms bildete das Jahresthema von Fertility Europe: Fertility@work. Dabei geht es um die Auswirkungen von Kinderwunschbehandlungen auf den Arbeitsalltag und strukturelle Unterstützungsbedarfe. Einige Mitglieder, darunter aus Serbien, Großbritannien und Island, präsentierten ihre nationalen Projekte: von Studien zu den Auswirkungen des unerfüllten Kinderwunsches auf die Karriereplanung über Schulungen für Arbeitgeber bis hin zu nationalen Aufklärungskampagnen. Bei den anschließenden Diskussionen waren wir uns einig, dass sich der unerfüllte Kinderwunsch für viele Betroffene wie ein zweiter Job anfühlen kann und den Arbeitsalltag stark beeinflusst.
Passend dazu hat Fertility Europe eine europaweite Umfrage gestartet, die in 18 Sprachen verfügbar ist. In Deutschland läuft sie unter dem Titel „Zwischen Kinderwunschbehandlung und Arbeitsalltag”. Im Zentrum stehen Fragen zur Offenlegung von Behandlungen am Arbeitsplatz, zu erlebter Unterstützung sowie zu möglichen beruflichen Konsequenzen. Die Ergebnisse sollen im Rahmen der Fertility Week im November veröffentlicht werden.
Austausch außerhalb des Tagungsraums
Neben spannenden Vorträgen und Diskussionen blieb auch genügend Zeit für persönliche Gespräche und Vernetzung. Genau das macht das Spring Meeting für viele Teilnehmende jedes Jahr wieder zu einem Highlight. Wie geht es ungewollt Kinderlosen in Spanien? Welche gesundheitspolitischen Entwicklungen beschäftigen die Patient:innen in Polen? Was wird für Betroffene in den Niederlanden und Frankreich bereits besser geregelt und wo stehen wir in Deutschland im Vergleich?
Auch bei der Stadttour durch Oslo und dem anschließenden Abendessen beschäftigten uns diese Fragen. Trotz unterschiedlicher Gesundheitssysteme und gesetzlicher Regelungen ähneln sich die Erfahrungen in ganz Europa: Wartezeiten, Behandlungen, finanzielle Belastungen, Verluste, fehlende Aufklärung und das Gefühl, mit dem Thema oft allein zu sein. Gemeinsamer Antrieb aller Betroffenenverbände ist es, die Bedingungen für ungewollt Kinderlose zu verbessern und für Sichtbarkeit und Akzeptanz in Gesellschaft, Politik und Versorgung zu kämpfen.
Europapolitische Perspektiven: „fertility-in-all-policies“
Auch europapolitische Initiativen spielten beim Fertility Europe Spring Meeting 2026 eine wichtige Rolle. Vorgestellt wurde unter anderem die Arbeit der Coalition for Fertility, einem europaweiten Zusammenschluss von Organisationen und Expert:innen, die sich für bessere Rahmenbedingungen rund um (Un-)Fruchtbarkeit, Familiengründung und reproduktive Gesundheit einsetzen. Ziel ist es, das Thema stärker auf die politische Agenda der Europäischen Union zu bringen und die Anliegen und Herausforderungen von Betroffenen sichtbarer zu machen.
Im Mittelpunkt steht dabei ein sogenannter „fertility-in-all-policies“-Ansatz: Das Thema Fruchtbarkeit soll in politischen Entscheidungsprozessen stärker mitgedacht werden, um soziale, gesundheitliche und auch ökologische Faktoren zu berücksichtigen, die die Familienplanung beeinflussen können. Zu den Zielen der Coalition zählt, den Zugang zu Aufklärung, Diagnostik und Behandlung zu verbessern, Prävention zu stärken und Betroffene umfassend zu unterstützen.
Mit viel Inspiration und Tatkraft zurück nach Deutschland
Für uns als noch junger Verein war das Spring Meeting besonders wertvoll. Der UIK besteht noch keine zwei Jahre, viele der anderen Mitgliedsorganisationen engagieren sich dagegen bereits seit Jahrzehnten. Zu sehen, was in dieser Zeit aufgebaut wurde, welche Fortschritte andere Länder bereits erreicht haben, welche Kampagnen funktionieren und wie sich Patient:innen erfolgreich politisch einbringen, hat Mut gemacht und neue Perspektiven eröffnet.
Wir nehmen deshalb nicht nur viele Eindrücke vom Spring Meeting Fertility Europe 2026 mit nach Hause, sondern auch neue Ideen, Motivation und das gute Gefühl, Teil einer starken europäischen Gemeinschaft zu sein. Eines wurde nämlich besonders deutlich: Wenn Betroffene gemeinsam laut werden, können sie etwas bewegen – in Deutschland und in ganz Europa.
Herzlich
Dein UIK e.V. 💜💚🤍

