Lange geplant, endlich umgesetzt: Am Wochenende vom 12. September haben wir uns mit unserer österreichischen Schwester, der Fruchtbar, in Leipzig getroffen. Wir blicken zurück auf einen intensiven Austausch und sind dankbar über alles, was wir voneinander lernen konnten.
Zwei Länder, ein Thema, viel Herzblut
Unsere Verbindung mit der Fruchtbar Österreich besteht schon seit Gründung des UIK und wir haben uns schon lange auf das Treffen mit den Vorständinnen gefreut. Wie erwartet, gab es reichlich Gesprächsstoff. Schließlich haben wir viel gemeinsam, denn beide Vereine sind aus persönlicher Betroffenheit und in der Absicht entstanden, anderen ungewollt Kinderlosen zu helfen und gemeinsam laut zu werden.
Bei der Fruchtbar begann alles mit dem Blog von Gründerin und Obfrau Tina Fadler, in welchem sie ihre persönliche Kinderwunschgeschichte verarbeitete. Aus dem Wunsch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, entstand 2020 die Wiener Selbsthilfegruppe. 2021 folgte die Gründung des Vereins.
Dass es den UIK gibt, hat in vielerlei Hinsicht auch mit der Fruchtbar zu tun: Sie war Vorbild und Ideengeberin für uns. Auch wir haben schon vor der Gründung unseres Vereins an verschiedenen Stellen erlebt, wie stärkend und ermutigend der Austausch mit anderen ist, die wissen, wie sich ein unerfüllter Kinderwunsch anfühlt. Gerade bei einem Thema, das oft mit Tabus, Scham und Unwissen einhergeht, braucht es den Mut und die Einsatzbereitschaft vieler, um etwas zu verändern. Das Engagement der Österreicherinnen hat uns gezeigt, was daraus entstehen kann. Sie waren es auch, die uns mit Fertility Europe bekannt machten und damit den entscheidenden letzten Impuls für unsere Gründung setzten.
Selbsthilfe und Interessenvertretung
Was daraus wachsen kann, wenn sich Betroffene für die gemeinsame Sache stark machen, hat uns dann auch bei unserem Austausch in Leipzig beschäftigt. Zunächst stand ein Überblick auf dem Programm: Wann wurden unsere Verein gegründet? Was hat sich seitdem entwickelt? Und welche Themen beschäftigen uns heute?
Sowohl die Fruchtbar als auch der UIK setzen sich für die Stärkung der Selbsthilfe ein und sind darüber hinaus als Interessenvertretungen aktiv. Schnell kamen wir daher auch auf die Herausforderungen der Gesundheitspolitik in beiden Ländern zu sprechen. Der Wunsch nach Anerkennung unserer Perspektiven und Anliegen in Öffentlichkeit und Versorgung sowie nach einem gleichberechtigten Zugang zu reproduktionsmedizinischen Behandlungen beschäftigen ungewollt Kinderlose in Deutschland und Österreich gleichermaßen.
Eizellspende: Worin unterscheiden sich Deutschland und Österreich?
Natürlich gibt es aber auch Unterschiede in den beiden Ländern – mit unterschiedlichen Konsequenzen für Betroffene. Ein Beispiel dafür ist die Eizellspende. Während sie in Österreich seit 10 Jahren legal ist, gehört Deutschland zu den wenigen europäischen Ländern, in denen sie komplett verboten ist. Wer also in Deutschland darauf angewiesen ist, hat nur die Wahl, ins Ausland zu gehen, was mit hohen Kosten und persönlichem Einsatz und Risiko verbunden ist. Wir fordern daher eine verantwortungsvolle Legalisierung der Eizellspende in Deutschland.
Doch auch das österreichische Modell ist, wie wir erfahren haben, optimierungsbedürftig. Dort dürfen Spenden nur von Frauen unter 30 Jahren geleistet werden und zugleich erfahren die Empfängerinnen selbst nur wenig über sie, da Informationen zwar von den Kliniken dokumentiert, nicht aber in einem zentralen Register erfasst werden. So zeigt die österreichische Regelung, dass die Legalisierung der Eizellspende allein nicht ausreicht, sondern gesetzliche Rahmenbedingungen so durchdacht sein müssen, dass die Interessen und Rechte aller Beteiligten berücksichtigt werden: der Empfängerinnen, der Spenderinnen und vor allem auch der Kinder.
Was Vereine brauchen, um etwas zu bewegen
Neben diesen Themen bewegten uns auch ganz praktische Herausforderungen des Vereinslebens: Wie schafft man politische Aufmerksamkeit für ein Thema, das gesellschaftlich noch immer nicht ausreichend anerkannt wird? Wie grenzt man sich von anderen Angeboten rund um Kinderwunsch ab? Welche Systeme gibt es in den beiden Ländern, um Selbsthilfevereine nachhaltig finanziell zu unterstützen? Und wie können ehrenamtlich getragene Strukturen dauerhaft bestehen? Schließlich wissen nur zu gut: Hinter jedem Selbsthilfeangebot, jedem politischen Gespräch und jedem anderen ehrenamtlichen Beitrag stehen Menschen mit einer persönlichen Geschichten, die etwas bewirken wollen und dafür ihre Zeit und Kraft investieren. Davon leben sowohl die Fruchtbar als auch der UIK und die Gespräche in Leipzig haben uns bestärkt, weiterzumachen.
Danke für ein fruchtbares Wochenende
Wir sind außerordentlich dankbar, dass die Vorständinnen der Fruchtbar sich an diesem Wochenende auf den Weg nach Leipzig gemacht haben. Es freut uns besonders, dass neben all den wichtigen Themen auch genug Zeit und Raum für das persönliche Kennenlernen blieb – ob beim gemeinsamen Essen, einem kleinen Stadtrundgang durch Leipzig oder den vielen Gesprächen zwischendurch. Wir freuen uns darauf, die Verbindung zwischen den Vereinen weiter zu stärken, und gemeinsam über Ländergrenzen hinweg positive Veränderungen für ungewollt Kinderlose und Patient:innen der Reproduktionsmedizin herbeizuführen.
Herzlich
Dein UIK e. V. 💜💚🤍

