Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Ende November 2025 erstmals eine weltweite Leitlinie
zum Umgang mit Infertilität veröffentlicht. Laut WHO ist 1 von 6 Paaren weltweit mindestens zeitweise von Unfruchtbarkeit betroffen. Die neue Leitlinie setzt ein wichtiges Signal an die Gesundheitspolitik, ungewollte Kinderlosigkeit als ernstzunehmende gesundheitliche Herausforderung anzuerkennen, Maßnahmen zu finanzieren und den Zugang zu reproduktionsmedizinischen Behandlungen gerechter zu gestalten.
WHO-Leitlinie zum Umgang mit Infertilität: Was steht drin?
Die Leitlinie gibt es als Kurzfassung und als ausführlichen Bericht, beide auf Englisch und vor allem für medizinisches Fachpersonal gedacht. Der Leitlinie liegt folgendes Verständnis von Infertilität bzw. Unfruchtbarkeit zugrunde:
„Unfruchtbarkeit ist eine Erkrankung des männlichen und weiblichen Fortpflanzungssystems, die als das Ausbleiben einer Schwangerschaft nach 12 Monaten regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs definiert wird.“ (WHO)
Die Leitlinie beschreibt verschiedene Ursachen von Infertilität. Dazu gehören unter anderem PCOS, Erkrankungen der Eileiter, männliche Faktoren wie eine geringere Spermienqualität, und unerklärte Infertilität. Außerdem werden wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethoden vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Prävention, zum Beispiel durch bessere Bildung über Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit sowie durch Aufklärung über Risikofaktoren.
WHO-Leitlinie zum Umgang mit Infertilität: Was steht nicht drin?
Weil dies die erste Publikation dieser Art ist, weisen die Autor*innen darauf hin, dass wichtige Themen noch fehlen. Einige Vorerkrankungen wie Endometriose, die großen Einfluss auf Fruchtbarkeit und Behandlungsverlauf haben können, werden nicht berücksichtigt. Auch die Gametenspende (also Ei- und Samenspende) bleibt zunächst außen vor. Diese Themen sollen in zukünftigen Leitlinien aufgegriffen werden.
Empfohlene Ansätze bei Infertilität
Die neue WHO-Leitlinie setzt weltweit Maßstäbe. Sie schafft klarere Standards dafür, wie Infertilität medizinisch eingeordnet und gesundheitspolitisch behandelt werden sollte. Das hilft sowohl politischen Entscheidungsträgern als auch medizinischen und psychosozialen Fachkräften.
Zentral ist die Aussage, dass viele Angebote für Betroffene teuer und häufig nicht evidenzbasiert sind. Die WHO betont daher, dass gute Versorgung erschwinglich, effektiv und wissenschaftlich fundiert sein muss. Und sie sollte von staatlichen Gesundheitssystemen bereitgestellt werden, nicht vom privaten Markt.
Globale Standards für reproduktionsmedizinische Versorgung
Der Leitfaden zeigt, dass Infertilität weltweit noch zu wenig im öffentlichen Gesundheitswesen verankert ist. Dadurch entstehen große Ungleichheiten. Der Zugang zu Behandlungen hängt oft vom Geld und der individuellen Situation ab. Auch die psychosoziale Unterstützung ist vielerorts unzureichend. Außerdem betont die WHO, dass Frauen weltweit die Hauptlast der ungewollten Kinderlosigkeit tragen, zum Beispiel durch Stigmatisierung oder partnerschaftliche Gewalt. Global gesehen sind 36 % der Frauen, die Infertilität erleben, auch partnerschaftlicher Gewalt ausgesetzt.
WHO-Leitlinie als Argumentationsbasis für unsere politische Arbeit
Für uns als Patient*innenorganisation sind internationale Standards besonders wichtig. Sie stärken unsere Argumente gegenüber Politik und Öffentlichkeit und helfen uns, gesundheitspolitische Forderungen zu entwickeln. Vor allem unterstützen sie unsere Position, dass Infertilität als Krankheit ernst genommen und umfassend behandelt werden muss. Die Leitlinie sorgt dafür, dass Betroffene weltweit mehr Sichtbarkeit bekommen.
Herzlich
Euer UIK e.V. 💜💚🤍

